Buch 2.0 – Bücherlesen wird öffentlich
7. Juni 2008 von Daniel Pittelkow
Nun ist ein ganz privates Vergnügen in der Öffentlichkeit angekommen: Bücher-Communitys sprießen zunehmend aus dem Boden. Hier können Bücherfans ihre gelesenen Bücher eintragen, bewerten und Menschen finden, die die gleichen Buchvorlieben teilen. Ein gelungener Marktforschungspool für Buchverlage.
Internationaler Vorreiter unter den Bücher-Communitys war 2005 LibraryThings. Auf dem deutschen Markt gibt es drei Anbieter: BuecherTreff.de, Reliwa.de und LovelyBooks. Während die beiden ersten Portale von Privatpersonen ins Leben gerufen und betreut werden, steckt hinter LovelyBooks ein prominenter Betreiber: die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Deren Tochterfirma aboutbooks betreut das Portal. Geschäftsführerin Sandra Dittert schildert auf interview-blog.de ihre Zukunftspläne für LovelyBooks. Sie sieht die Community als Forum für alle interessierten Leser, Buchhändler, Autoren und Verlage. Leser würden sich zunehmend über ihre Vorlieben online austauschen, aber dadurch auch neue Vorlieben entwickeln. Genauso wie das Internet das Nutzerverhalten im Musikbereich beeinflusst hat, sieht sie diese Entwicklung auch für die Buchbranche.
Strategische Absichten
Das Portal passt gut zum übrigen Portfolio von Holtzbrinck. Schon Anfang 2007 übernahm die Verlagsgruppe für rund 85 Millionen Euro die Studenten-Community studivz.net. Mit den an einem Punkt zusammenfließenden Informationen lassen sich personalisierte Werbeeinblendungen realisieren und Daten zu Marktforschungszwecken auswerten. Mit LovelyBooks bieten sich diese Möglichkeiten generell auch. Hier bestünde in Zukunft die Möglichkeit, personalisierte Buchempfehlungen, wie sie bereits durch Amzon eingesetzt werden, anzubieten, aber auch Marktwissen für Verlage bereitzustellen, welche Bücher der Markt verlangt. Momentan stellt LovelyBooks jedoch lediglich zu jedem Buch einen Direktlink bereit, mit dem das Buch über Amazon bestellt werden kann. Es bleibt abzuwarten, ob der Holtzbrinck-Verlag sein Engagement, insbesondere in Hinsicht auf seine Beteiligung an dem Buchversand buecher.de, ausbaut.
Als 2006 AbeBooks die Bücher-Community LibraryThing aufkaufte, äußerte sich Geschäftsführer Hannes Blum deutlicher zu seinen Absichten: “Der spannendste Aspekt dieser Übernahme sind die einzigartigen Informationen, die LibraryThing über Bücher- und Buchkaufgewohnheiten generiert. Diese Daten werden den Menschen helfen, mehr Bücher auf unserer Site zu finden und zu kaufen – und wir helfen LibraryThing, indem wir die Website Millionen Kunden von AbeBooks vorstellen.” Blum sieht demnach das Portal als gezielte Kundenbindungsmaßnahme, die potenzielle Kunden über ein Diskussionsportal zum Kauf des Buches hinführt.
Dieser Artikel wurde erstmalig am 7. Mai 2008 auf redaktionzukunft.de veröffentlicht.